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Neuer Herr des Tentakel-Schreckens bei Pegasus

19.07.2011  
Von: Presse

Bei der Cthulhu Convention am vergangenen Wochenende auf Burg Rieneck, welche am Montag zu Ende gegangen ist, gab es nicht nur jede Menge zu spielen, sondern vor allem eine einschneidende Personalie in Sachen Cthulhu auf deutsch.

Alt und neu: Noch-Chefredakteur Frank Heller und Nachfolger Heiko Gill der Cthulhu-Rollenspielreihe bei Pegasus

Zum 1. Dezember wird der bisherige Chefredakteur der Rollenspielreihe bei Pegasus Spiele, Frank Heller, seine Position aufgeben, um sich stärker seinen beruflichen Verpflichtungen widmen zu können. Mit Heiko Gill wurde zudem nicht nur ein Nachfolger gefunden, sondern ebenfalls ein Cthulhu Besessener der ersten Stunde in das Amt des Chefredakteurs berufen. Zum 1. Dezember wird er das Amt übernehmen. Seit Mitte der 80er Jahre leitet Gill seine eigene Cthulhu-Spielrunde. Zum Wechsel hat Frank Heller seinen Nachfolger im hier anschließenden Interview ins "Gebet" genommen.

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Wann und wie bist Du mit dem Cthulhu-Rollenspiel zum ersten Mal in Berührung gekommen?

Das Konzept und die Funktionsweise eines „Rollenspiels“ kannte ich glücklicherweise dank D&D bereits, als ich im November 1985 während eines Urlaubs in San Francisco in einem Spieleladen auf „Call of Cthulhu“ (2nd Edition von Chaosium) stieß. Ich habe es sofort gekauft und leitete damit ab Sommer 1986 meine Spielrunde. Diese Runde besteht übrigens bis in die Gegenwart und feiert nächstes Jahr ihr 25-jähriges Bestehen.

Wie stehst Du zu Lovecraft und seinem Werk - hast Du eine Lieblingserzählung?

Anfang der 80er Jahre löste Lovecraft bei mir Robert Bloch als Lieblingsautor ab. Im Laufe der Jahrzehnte haben mich allerdings einige Elemente der Erzählungen stärker gestört als das ursprünglich der Fall war. H.P. verwendet z.B. zu wenig Dialoge für meinen Geschmack. Das von ihm geschaffene Weltbild findet jedoch weiterhin meine ungeteilte Begeisterung. Meine Lieblingserzählung ist das sehr kurze und vielleicht weniger bekannte „Das Bild im Haus“.

Wie kam es, dass Du von der Fan- auf die Macherseite gewechselt bist?

Früher hatte ich regelmäßig selbstgestrickte Cthulhu-Abenteuer auf Cons geleitet. In den 90er Jahren sprach mich der OMEN-Verlag an, ob ich Interesse daran hätte, ein Cthulhu-Abenteuer für sie zu schreiben. So entstand „New Eden“, welches sich stark an einem abgeschlossenen Abenteuer meiner Spielrunde orientierte. Durch diese Veröffentlichung ergab sich später der erste Kontakt zu Pegasus.

Seit wann bist Du im Cthulhu-Mitarbeiterteam, und was hast Du als Cthulhu-Mitarbeiter bisher alles gemacht?

Grob gesagt, seit 2002/03, anfangs als Autor und Lektor, dann seit 2004 als Redakteur. Als letzterer war ich verantwortlich für die Hexer von Salem – Reihe, Niemandsland – Grabenkrieg und Heimatfront, Dementophobia – Wahn & geistiger Verfall, Mittelalter – die dunklen Jahre und New York – im Schatten der Wolkenkratzer.

Auf welches Deiner Werke bist Du besonders stolz?

Aus unterschiedlichen Gründen bin ich eigentlich auf alle stolz. Wenn ich etwas besonders hervorheben soll, dann ist das nach langem Überlegen wohl New York, weil sich darin nicht nur in jeder noch so kleinen Ecke Hilfreiches für den Spielleiter befindet, sondern der Bogen zum organisierten Verbrechen geschlagen wird – was es in der Ausführlichkeit meines Wissens nach zuvor nicht gegeben hat.

An was arbeitest Du zurzeit?

Ich arbeite an Kreuzzüge – Ritter im Heiligen Land, welches als Ergänzung zum Mittelalter-Setting im Oktober diesen Jahres erscheinen soll, und für nächstes Jahr an Dunwich, also dem Abschlussband der Lovecraft Country – Reihe.

Wie geht es mit dem Cthulhu-Rollenspiel in Deiner Amtszeit ab Dezember 2011 weiter - was wird beispielsweise 2012 erscheinen, und kannst Du schon Highlights absehen, die für 2013 oder später in der Pipeline sind?

Für 2012 sind bisher drei Veröffentlichungen geplant und in Angriff genommen worden. Das bereits erwähnte Dunwich; ein Hintergrundband über Ägypten und Die Janus-Gesellschaft, in welchem den Spielern eine okkulte Gesellschaft als „Heimat“ geboten wird.
Als künftiges Highlight könnte ich mir beispielsweise eine deutsche Veröffentlichung zu Gaslight vorstellen.

Wird es einen nahtlosen Übergang und eine Fortsetzung der bisherigen Arbeit geben, oder sind mit Dir als Chefredakteur irgendwelche Umstrukturierungen, Neuausrichtungen oder Änderungen zu erwarten?

Es ist ja insofern ein schweres Erbe, da mein Vorgänger die Bühne auf der Höhe seiner Schaffenskraft verlässt. Mein Wunsch ist unbedingt ein nahtloser Übergang. Einige Änderungen wird es sicherlich geben, die aber weniger auf den Wechsel des Chefredakteurs zurückzuführen wären, als auf Planungen auf der Verlagsseite, auf die man ggf. reagieren wird. Ich denke z.B. an die Einstellung der Cthuloide Welten, die Menge der vorgesehenen jährlichen Publikationen und den angedachten Einstieg in das „pdf-Geschäft“.

Kurzvita:
Heiko Gill, geboren 1962, wohnhaft in Hannover, aber auf der Suche nach einem Haus im Umland. Die Familie besteht aus der Gattin Linda und den drei Töchtern Kira (11), Emma (3) und Helene (2), letztere spielen . Hauptberuflich seit 1982 Verwaltungsbeamter. Nebenberuflich seit 2002 Mitglied im Cthulhu - Team bei Pegasus, als Autor, Co-Autor, Lektor, Korrektor und seit Ende 2003 als Redakteur. Als solcher verantwortlich für die Hexer von Salem-Reihe, Niemandsland – Grabenkrieg und Heimatfront, Dementophobia – Wahn und geistiger Verfall, Mittelalter - die dunklen Jahre, New York - im Schatten der Wolkenkratzer und für 2011 Kreuzzüge - Ritter im Heiligen Land.

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