Die Ziele, die wir als Spieler in „Chez Guevara“ verfolgen, sind allerdings nicht mal halb so edel und haben mit dem Erfolg der Revolution nicht ganz so viel zu tun. Wir finden uns als Gefreiter, Korporal oder Sergeant in Diensten einer beliebigen Aufständischentruppe wieder. Dort geht es auch nicht anders zu, als in jeder anderen Armee der Welt. Unsere eigentlichen Ziele liegen nur im Faulenzen, Spaß haben und vor echter Arbeit und Kämpfen drücken. Das ganze drückt sich in „Slackpunkten“ aus, die wir sammeln, um mit 20 Punkten als faulster Revolutionär das Spiel zu gewinnen.
Wir erhalten also eine Karte mit einem zufällig ausgelosten Rang und fünf Handkarten, sowie ein imaginäres Zelt vor uns, das unsere Ablage darstellt. Mit unserer Dienstgradkarte haben wir schon die ersten Slackpunkte gesichert. Durch unseren Dienstgrad haben wir auch schon ein erstes Einkommen, sowie mehr oder minder Freizeit (also Anzahl der Karten, die wir pro Runde spielen können), um uns zu vergnügen.
Ein Spielzug besteht im Wesentlichen aus dem Ausspielen der Handkarten. Man kann Personen in sein Zelt einladen, die einen nett unterhalten, oder kann unliebsame Personen in gegnerische Zelte locken, um dort Unfrieden zu stiften. In wessen Zelt sich der „Ruhmreiche Anführer“ einnistet, der hat leider nicht mehr viel von seinen Slackpunkten und sollte schleunigst zusehen, dass er den Anführer zum Nachbarzelt lockt.
Mit dem verfügbaren Einkommen kann man aber auch nette Dinge kaufen. Eine Flasche des berühmten „Tequila“ bringt neben einem Vollrausch schon 2 Slackpunkte für die lächerliche Summe von 2 Pesos. Aktivitäten wie „Schlafen“ („Zzzzzz…“) bringen ebenfalls Slackpunkte. Lukrative Überfälle bringen nicht nur neue Karten ins Zelt, sondern bieten dem begnadeten Würfler auch die Chance zu einer Beförderung mit dem nicht ganz unbedeuteten Risiko verwundet zu werden, was leider einen Slackabzug bedeutet.
Um den Vorteil eines höheren Dienstgrades auszugleichen, lassen sich höhere Dienstgrade leichter denunzieren (wenn man die passende Karte hat), was je nach Würfelglück eine sofortige Degradierung zur Folge hat. Für Spieler mit höherem Dienstgrad sehr spaßig ist die Möglichkeit des Schikanierens. Das bedeutet, dass ein Spieler, der sich vielleicht gerade „Schlafen legen wollte“, etwa eine Karte „Löcher buddeln“ aufgedrückt bekommt und jetzt keine Slackpunkte ansammeln kann. Ein herrliches Spielelement – wenn man einen hohen Rang hat.
Das Spielmaterial ist passend zum nicht ganz ernst gemeinten Thema comicartig illustriert. Die Karten sind übersichtlich entworfen, die Texte – wie auch die Anleitung – lassen keine Fragen offen. Allerdings fehlen zum sofortigen Losspielen kleine Marker für Wunden und Slackpunkte, die in der kleinen Packung nicht enthalten sind.
Wer sich dementsprechend das Ziel gesetzt hat, sich einfach zu amüsieren, für den hat „Chez Guevara“ keine Kritik zu bieten. Ein bisschen Ungerechtigkeit empfindet nur der, der zu Beginn nur eine Gefreiten-Karte gezogen hat, während einen die Sergeants und Korporals am Tisch ständig schikanieren und man verzweifelt nach einer „Denuziert“-Karte sucht, um sich zu wehren. Warum nur in der Zwei-Spieler-Variante beide Spieler als Gefreite starten, während bei mehr Spielern jeder eine Karte zugelost bekommt (mit den entsprechenden Ungerechtigkeiten), bleibt eine Frage, die nur der Autor beantworten kann. Bei vier Gefreiten-Karten im Spiel wäre zumindest bis zu vier Spieler für eine Ausgangsgerechtigkeit gesorgt.
Fazit: Wer auf der Suche nach einem Spiel mit ausgeklügeltem Mechanismus ist, der ist bei „Chez Guevara“ falsch. Dazu ist das einfache Ausspielen der Handkarten und Nachziehen zu banal. Wer sich aber einfach nur mal ein halbes Stündchen amüsieren möchte, um den Spieleabend entspannt ausklingen zu lassen, der ist bei „Chez Guevara“ genau richtig.
ISBN: n. a.
Preis: ca. EUR 12,95