Pegasus Spiele OnlinePegasus Spiele ShopPegasus PressPegasus Spiele GmbHRingbote - das Online MagazinPegasus MediaPegasus Spiele SupportteamPegasus Spiele Kontakt
  
 

 
  
  
  







 

Gruselkabinett 26: Die liebende Tote
Hörspiele 10.04.09

Die Erzählung „Die liebende Tote“ von Théophile Gautier (1811-1872) gilt als Klassiker unter den Schauergeschichten rund um die Blut saugenden Untoten. Als atmosphärische Hörspiel-Vertonung im Rahmen der preisgekrönten Reihe „Gruselkabinett“ entfaltet die Novelle um einen jungen Priester, der einer geisterhaften Schönheit verfällt, ihren erotischen Reiz.

von  Frank Stein

Die tragische Geschichte trägt sich im Jahr 1847 in Südfrankreich zu. Bei seiner Weihe zum Priester begegnet der junge Mönch Romuald der betörenden Schönheit Clarimonde. Er glaubt, ihre Stimme in seinem Kopf zu hören, die von wundervollen Verlockungen spricht, und beinahe wird er darüber seinem Gott untreu. Sein Vorgesetzter, Abbé Serapion, erkennt den inneren Kampf seines Schützlings und warnt ihn vor dem unheilvollen Einfluss der Kurtisane, die schon mehrere Männer ins Unglück gestürzt haben soll. Um Romuald zu schützen, weist er ihm die Stelle eines Dorfpriesters in einem abgelegenen Ort zu.

Doch so leicht entkommt Romuald Clarimonde nicht. Eines Nachts wird er von ihrem Diener gerufen. Clarimonde liegt ihm Sterben und bittet um die letzte Ölung. Die beiden Männer kommen zu spät, doch Romuald willigt ein, wenigstens die Totenwache zu halten. Im Gemach der Toten erblüht seine glühende Liebe für die verführerische Schönheit. Und so nimmt er es auch fraglos hin, als sie in einer der Folgenächte in seiner Priesterklause erscheint und ihm ein neues Leben voller Leidenschaft und Völlerei anbietet, mir ihr an seiner Seite …

„Die liebende Tote“ (in literarischer Form oft auch „Die tote Geliebte“ übersetzt) gehört für mich in qualitative obere Drittel der Geschichten der Reihe „Gruselkabinett“, und dies aus zweierlei Gründen. Zum einen ist die Vorlage höchst atmosphärisch vertont worden. Neben treffender musikalischer Untermalung – unter anderem Chorälen, die das religiöse Umfeld im Geiste des Hörers auferstehen lassen – sind die Sprecher sehr gut ausgewählt, allen voran Sabine Arnhold, die Clarimonde mit eindringlicher Sinnlichkeit verkörpert; aber auch Kaspar Eichel als in die Jahre gekommener Romuald, der die Geschichte seiner Jugendsünde einem Schützling zur Warnung erzählt, Julien Haggège als dessen jüngeres Ich und Christian Rode als eifernder Abbé Serapion machen dieses Hörspiel zum Genuss.

Zum anderen – und das zählt eigentlich noch mehr – hat Théophile Gautier mit „Die liebende Tote“ eine wirklich reizvolle Novelle geschaffen, die durch ihren Konflikt „Glaube vs. Fleischeslust“ seinerzeit zweifellos für Aufsehen gesorgt hat. Bemerkenswert ist dabei, dass Clarimonde, die im Übrigen nicht wirklich ein Vampir sein kann, sondern eher eine Art vampirischer Geist (liegt ihr Leichnam doch schon seit Ewigkeiten verrottend auf einem Friedhof), keineswegs ein Tod bringendes Monstrum dargestellt wird, sondern als den jungen Priester Romuald aufrichtig (wenn auch vor allem körperlich) Liebende. Der Preis für die Leidenschaft, die sie ihm gewährt, ist nur ein wenig Blut, das sie ihm vorsichtig und in Maßen abzapft. Ungleich bösartiger wirkt dagegen Romualds Mentor Abbé Serapion, der sich mit frömmelndem Fanatismus auf die Jagd nach dem bösen Geist macht, der seinen Schützling umgarnt. Gautier stellt hier auf geschickte Art und Weise die gängigen zeitgenössischen Sichtweisen von Gut und Böse in Frage.

Erzählerisch interessant ist auch die Perspektive des Erlebten. Der alternde Romuald betont immer wieder, dass er selbst nicht genau wüsste, ob er seinerzeit ein Priester gewesen sei, der sich in die Rolle eines galanten Abenteurers geträumt hätte, oder ein von Clarimonde umgarnter Lebemann, der im Schlaf von einem Dasein als von Schuld geplagter Gottesdiener träume. Dieses Verschwimmen von Traum und Wirklichkeit, das es durchaus im Bereich des Möglichen sein lässt, dass sich Romuald, von seinen Trieben übermannt, die erotischen Eskapaden mit Clarimonde nur eingebildet hat, schmälern zwar in gewisser Weise den Grusel (ausnehmend gruselig ist diese Liebesgeschichte mit einer Toten ohnehin nicht), aber mehren dafür in gleichem Maße das Geheimnis um diese verbotene Liebschaft.

Fazit: Eine provokante und pikante Geschichte, makellos im Hörspiel umgesetzt – so präsentiert sich „Die liebende Tote“ von Titania Medien. Wer auf sehr sanften Grusel mit einem Schuss Erotik steht, dürfte an dieser Episode des „Gruselkabinetts“ seine helle Freude haben. Einsteigern in die Reihe ist die Handlung vielleicht etwas zu wenig von Schauer und Schrecken geprägt. Empfehlenswerte Varianten sind hier „Carmilla, der Vampir“ oder „Die Blutbaronin“.


Gruselkabinett 26: Die liebende Tote
Hörspiel nach einer Erzählung von Théophile Gautier
Stephan Bosenius, Marc Gruppe
Titania Medien/Lübbe Audio 2008
ISBN: 978-3-7857-3578-7
1 CD, ca. 57 min., deutsch
Preis: EUR 7,95

bei amazon.de bestellen

Artikel zum Weiterlesen

Gruselkabinett 27: Der Leichendieb - 11.11.08
Gruselkabinett 14: Die Blutbaronin - 12.04.07


< zurück zu Ringbote Artikel


 
 





16.05.12
Kleine Ängste – Alptraum-Edition
Kleine Ängste
16.05.12
Star Wars: Schleier der Täuschung
Bücher zu Filmen / Serien, Science-Fiction
16.05.12
Magic: Innistrad Event-Decks
TCG / CCG
15.05.12
Das Monster von Leet
Rolemaster
08.05.12
Die Quelle der Geister
Das schwarze Auge (DSA)
08.05.12
Das Obsidianherz
Urban Fantasy
07.05.12
Northlanders Band 4: Die Pest
Northlanders
07.05.12
Dungeon Petz
Brettspiele
06.05.12
Star Wars – The Clone Wars 2: Crashkurs
Star Wars
30.04.12
Aliens Nekropolis
Alien
30.04.12
Sherlock Holmes – Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs 1: Im Schatten des Rippers
Hörspiele
30.04.12
Star Wars: Millennium Falke
Bücher zu Filmen / Serien, Science-Fiction
29.04.12
Mystery Rummy – Fall 4: Al Capone
Kartenspiele
29.04.12
The Warlord 3 – Odyssee
Warlord
25.04.12
Professor Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen – Die Denkmaschine: Die Perlen der Kali
Hörspiele