IC ist gefährlich. Jeder, der in der Matrix unterwegs ist und hinter Kulissen schauen will, die nicht die seinen sind, weiß das. Plant man beim Umgang mit IC nicht jeden seiner Schritte genau im Voraus, kann man sich böse auf die Schnauze legen.
Bisher dachte ich allerdings immer, Schwarzes-IC wäre besonders gefährlich. Ist es aber nicht. Das weiße Eis ist noch viel gefährlicher. Kaum bewegt man sich auf schwierigem Terrain, bepackt mit zwei großen Tüten voller Daten, schon greift es einen von unten an, bringt einen ins Schlingern, setzt das Gleichgewicht außer Kraft und bringt das gesamte System zum Absturz. Aua.
Lassen wir also die Füße auf unserem eigenen Gelände und schauen uns da ein wenig um: Trotz Schneegestöber, Jahresanfangsmüdigkeit und widrigen Wetterbedingungen hat das Shadowrun-Jahr 2010 schon angefangen: Schattenstädte ist Anfang Januar erschienen. Der Band ist damals unter anderer Verlagsflagge schon einmal publiziert worden. Nun ist er fehlerkorrigiert, erweitert, die Zeitlinie auf dem neusten Stand, die Veränderungen in Hamburg und Seattle übernommen und zudem findet sich ein neuer Runner-Hotspot im Buch: Marseille.
Im März folgen dann gleich zwei Titel hintereinander. Wildwechsel – das Critterdossier (engl: Running Wild) und Krisenzonen (engl. Feral Cities) werden zwei neue blaue Bände für die Spielbibliothek.
Wildwechsel beschäftigt sich mit den Crittern der Sechsten Welt: normale und paranormale Wesen, digitale Fauna in der Matrix, Regeln zum Abrichten von Wachtieren. Hinzu kommen die vier Critter, die schon im alten Brennpunkt: ADL beschrieben wurden und eine größere Sektion über den Tierpark Hagenbeck in Hamburg als Schauplatz möglicher Runs (inklusive Karten). Voller Freude kann ich verkünden, dass es die Erratas aus Amerika in das Buch geschafft haben. Es fehlten einige Magie- und Critterwerte, andere Informationen waren unklar und beim Übersetzen und Lektorat aufgefallen. Nun darf die Shadowrun-Menagerie ans Licht der Öffentlichkeit.
Krisenzonen steht ganz in der Tradition von Konzernenklaven und Schattenstädte. Diesmal werden Orte ohne Regierung beleuchtet: das verheerte Chicago und das dunkle Herz Afrikas, Lagos. Anarchie, Warlords, Bandenkriminalität sind hier Alltag und machen den Runnern in den tiefen Schatten dieser Moloche das Leben schwer. Desweiteren gibt es Beschreibungen zu Bogota, GeMiTo, Genf, Karavan und Sarajevo.
Ebenfalls im fortgeschrittenen Entstehungsstadium befindet sich Geisterkartelle. Neben einem geplanten deutschen Zusatzkapitel und einem europäischen Add-On wird dem Kampagnenband über das Auftauchen der erwachten Droge Tempo noch eine CD beiliegen – mit weiteren Abenteuern inklusive interaktiver Handouts, ähnlich wie die Promo-CD „Into the Shadows“ von 2008. Geisterkartelle wird zur RPC Köln erscheinen, wo Pegasus große Präsenz zeigen und Shadowrun durch Spielrunden und diverse Workshops supporten wird.
Im Mai herrscht dann erstmal Ruhe, außer das Schattenrüstzeug (engl. Runner´s Toolkit) wird von Catalyst bald fertiggestellt. Dann könnte es diesen Monat doch mit einer Veröffentlichung treffen. Schattenrüstzeug wird neben dem Spielleiterschirm (und zwar diesmal einem übersichtlichen Schirm mit der Tabelle für Askennen-Erfolge) und einem Tabellenwerk noch ein neues Abenteuer enthalten, das gerade geschrieben wird. Wir werden nicht noch einmal das alte Abenteuer „On the Run“ beilegen, sondern es gegen ein ganz frisches austauschen. Zudem sind Charakterbögen und der Master-Index enthalten, der sich im amerikanischen Grundregelwerk fand, bei uns aber als eigener Hefter herauskommt (und auch als kostenloses PDF auf der Shadowrun-Seite erhältlich sein wird).
Der Juni bringt die Unterwelten (engl. Vice), den Quellenband zu kriminellen Vereinigungen, organisiertem Verbrechen und den Gegenspielern der großen Syndikate. Auch dieser Band erhält eine deutsche Erweiterung, an der schon fleißig geschrieben wird. Die Texte der Orginalausgabe sind derweil schon beim Übersetzer.
Im dritten Quartal folgen das Konzerndossier mit einem Überblick nicht nur über die internationalen großen Spieler, sondern auch mit Informationen über europäische und ADL-Konzerne, für die Runner ihr Leben riskieren könnten. Außerdem ist der Almanach geplant, das vollfarbige Buch mit Blick auf die gesamte Welt von Shadowrun. Im Oktober zur SPIEL 2010 erscheint dann endlich der erste rein deutsche Shadowrun-Titel: Das Berlin-Quellenbuch. Nähere Informationen gibt es auf der RPC 2010 in Köln im April. Das Konzept wird gerade erstellt, Anfang März sollen die Arbeiten daran beginnen. Wir haben uns viel vorgenommen.
Den Jahresabschluss bildet die „Dawn of the Artefacts“-Kampagne, die gerade in vier kleineren Teilen von Catalyst veröffentlicht wird und die wir als Hardcover (alles in einem Band) publizieren werden.
Von den Romanen gibt es leider noch nichts Neues, dafür ist Shadowun mittlerweile als „Shadowrun DE“ auch auf Twitter und Facebook zu finden. Dort werden die neusten Infos als kleine Häppchen präsentiert und nicht wie hier, im Werkstattbericht, als Acht-Gänge-Menue. Und kaum schreibe ich so vor mich hin, bin ich auch schon beim Dessert angekommen: Den Würfeln. Die Shadowrun-Würfel rollen langsam auf uns zu – aber wie es beim Rollen von kubischen Figuren nun mal so ist: Es hakt an einigen Ecken. Sie kommen also, aber eben doch noch nicht Ende Januar oder Mitte Februar. Leider.
Also kein Nachtisch.
Höchstens Eis – und davon viel.