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Ringboten auf der Spiel - Kai

Wenn ich zur SPIEL nach Essen fahre, dann nur mit einem Ziel: um so viel wie möglich zu spielen. Ich bin ein Brett-Viel-Spieler, das kann man nicht anders sagen. Und so war es auch dieses Jahr, als ich mit meinen drei Mit-Spielern nach Essen kam. Wir traten in die Hallen und waren sofort vom Spielfieber gepackt.

von Kai Milke

Wir begannen unsere Messe mit einer Partie „Die Suche nach dem Gral“ vom Argentum-Verlag. Das Spiel ist ein Remake von „Conspiracy“ aus dem Jahre 1973 und ähnelt in seinem Spielmechanismus dem Spiel „Kreml“ aus dem Verlag „Fata Morgana“. Vier Orden streiten sich um den heiligen Gral. Jeder Spieler kann verdeckt Einflusspunkte auf die acht Figuren vergeben. Es gewinnt, wer den Gral in die Heimatbasis eines Ordens bringt und dabei den höchsten Einfluss auf diese Figur besitzt. Um den Einfluss der anderen Spieler abzuschätzen, kann man Figuren eliminieren, was zwar 10 Einflusspunkte kostet, dafür aber müssen alle Spieler offenlegen, wie viel Einfluss sie auf diese Figur hatten. So kann man umgekehrt rückschließen, wie viel Einflusspunkte die anderen noch übrig haben. Der Spielspaß ist sehr davon abhängig, dass man mit Spielern spielt, die sich darauf einlassen und sich in ihre Rollen hineinversetzen. Relativ gesehen, gefällt mir „Kreml“ einfach besser.

Weiter ging es zu Valley Games, die das letzte Spiel des kürzlich verstorbenen Franz-Benno Delonge präsentierten: „Container“. Es geht darum, Container bestimmter Farben zu sammeln. Dabei kann man entweder Fabriken bauen, um die Container herzustellen, oder Lagerhäuser bauen, um sie zu lagern, oder eben mit dem Schiff die Container von anderen Spielern zu bekommen. Leider konnte ich das Spiel nicht antesten, der Mechanismus, den ich hoffentlich richtig wiedergegeben habe, klingt zusammen mit dem hübschen Material, sehr verlockend.

Nach dem Abholen meines vorbestellten „Caylus – Premium Limited ESSEN Edition“ und dem Einsammeln der „Siedler von Hessen“ schlenderten wir weiter. Auffallend war einerseits die hohe Anzahl an Wiederveröffentlichungen („Maestro“ von Amigo, „Euphrat & Tigris“, „El Capitan“ (früher „Tycoon“), „Micro Mutants“ (früher „X-Bugs“), „Markt von Alturien“ (früher „City“), um nur ein paar zu nennen) und vor allem bei Kosmos viele Lizenzen, die Gelegenheitsspieler zu einem Kauf reizen und so das geschäftliche Risiko minimieren sollen (etwa „Der goldene Kompass“, „Anno 1701 – das Brettspiel“).

Was haben wir noch angespielt? „Venedig“ von Klaus-Jürgen Wrede (Autor von „Carcassonne“) – nicht so schlecht, wie gelegentlich rezensiert, und „Bulp“ vom italienischen Verlag Giochix Edizioni (Kartenspiel, bei dem man eine Wasser-Pipeline zum eigenen Ort schließen muss), das vielleicht nett wäre, hätten wir italienisch oder die erklärende Italienerin englisch oder deutsch sprechen können… Nicht zu vergessen „Fragile“ von LudoArt, ein Taktikspiel, bei dem man mit zwei chinesischen Hafenarbeitern Kisten sammeln muss!

Nur ansehen konnten wir:

„Brass“ (Warfrog): Wirtschaftsspiel zur beginnenden Industrialisierung in England, bei dem man Kohleminen, Baumwollfabriken, Eisenbahnen und Kanäle bauen muss. Wichtig sind dabei die Verbindungen zwischen den einzelnen Städten, um zu Rohstoffen und Siegpunkten zu kommen. Mein Geheimtipp!

„Agricola“ (Lookout Games): Jeder Spieler muss als Bauer pflügen, säen und ernten. Die Grafik sah zumindest sehr ansprechend aus, mangels Tischen blieb es aber leider beim Ansehen.

„Duell im Dunkeln“ (Pilot Games): Briten und Deutsche kämpfen im WWII um die Luftherrschaft über Deutschland. Der Spielreiz soll darin liegen, die Züge des Gegners vorauszusehen und Punkte zu bekommen, wenn die deutschen Jäger auf dem Feld der britischen Bomberverbände stehen beziehungsweise die britischen Bomber deutsche Städte erreichen. Obwohl ich weder „political correct“ noch zartbesaitet bin oder pazifistischen Neigungen fröne (siehe „Wings of War“), konnte ich im Bombardieren deutscher Städte keine wirkliche Spielfreude erkennen…

„Wings of War – Dawn of War“ (Nexus): Das total geniale Prinzip dieser Kartenspielreihe, das bisher in drei Ausgaben nur im 1. Weltkrieg spielte, wurde auf WWII portiert. Dafür wurden auch die Regeln angepasst: Nun gibt es auch Sprit und die Geschwindigkeit zu beachten.

„Cash’n’Guns – Yakuza-Erweiterung“ (Repos): „Cash’n’Guns“ hat mich schon immer fasziniert – die Spieler streiten als Verbrecher mit Schaumstoff-Waffen um die Verteilung ihrer Beute. Mit Schaumstoff-Wurfsternen und Schrotflinten, sieht es noch besser aus. Von „Cash’n’Guns – Live“ kann ich nur abraten, denn die Atmosphäre kommt ohne Schaumstoff einfach nicht rüber und das Countdown-Geschrei des Repos-Spielleiters nervte schon, wenn ich die Halle 6 auch nur kurzzeitig besuchte.

Hier endet meine „kleine“ Messenachlese. Zwei Tage Messe lassen sich leider nicht so einfach zusammenfassen. Sicher hätte ich aber auch noch mehr berichten können. Ich ende also mit meinem Fazit: Bis zur Spiel 2008.



 
 





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